1996 München – Sendezentrum München + Antenne Bayern

SNG-Technik und virtuelle Studios

Mitglieder des SBC zu Besuch im Sendezentrum München (SZM) in Unterföhring

Antenne Bayern Studio

Der Satelliten Beobachter Club e.V. veranstaltet zweimal im Jahr ein Treffen für seine Mitglieder. Neben einem umfangreichen Erfahrungsaustausch der Schüsselfans stehen jeweils auch interessante Besichtigungen auf dem Programm. Nachdem die SBC-Mitglieder im Frühjahr ’96 die ASTRA-Betreibergesellschaft SES im luxemburgischen Betzdorf besucht haben – Infosat berichtet -, standen Anfang September im Münchner Vorort Unterföhring Besichtigungen von Antenne Bayern und dem Sendezentrum München (SZM) auf dem Programm.

Als erstes war ein Besuch bei Antenne Bayern angesagt. Der landesweite private Hörfunksender in Bayern strahlt inzwischen zwei Hörfunkprogramme, das Antenne Bayern Hauptprogramm und die Rock Antenne aus. Beide Programme werden noch 1996 via ASTRA-Digitalradio auch europaweit zu empfangen sein.

 

 

Das SZM – Heimat der ProSieben-Gruppe

Neben Antenne Bayern besuchten die rund 30, aus allen Teilen des deutschsprachigen Europas angereisten SBC-Mitgliededr das ebenfalls in Unterföhring angesidelte Sendezentrum München, das den Fernsehsendern ProSieben, Kabel1, DSF und H.O.T. die erforderliche Technik für Produktion, Bearbeitung und Ausstrahlung der Programme zur Verfügung stellt.

Im zentralen SNG-Empfangsraum sind mehrere professionelle Satellitenreceiver zufinden, die mit verschiedenen Satellitenantennen des SZM-Antennenparks verbunden werden können. Mit Hilfe von Normwandlern können ebenso Signale, die in den Farbnormen SECAM oder NTSC ausgestrahlt werden, in ein PAL-Bild transferiert werden. Zuletzt wurden diese Geräte vom DSF genutzt, da die Satelliten-Zuspielleitungen für das Münchner Sportprogramm vom US Open-Tennistunier aus New York in NTSC gesendet wurden.

SNG Fahrzeug

Wie bei allen größeren Fernsehsendern, verfügt das SZM auch über Sound-in-Sync-Decoder, um SNG-Nachrichtenübertragungen von der European Broadcasting Union (EBU), die über den Satelliten EUTELSAT II-F4M auf 7° Ost ausgestrahlt werden, mit synchronisiertem Bild und digitalen Ton zu empfangen. Mit diesem Bilmaterial arbeitet hauptsächlich zum Beispiel die PROSieben-Nachrichtenredaktion sowie bei europäischen Sportübertragungen auch das DSF.

Neben dem professionellen Empfang von SNG-Signalen empfängt das SZM auch Programme mit Satelliten-Receivern, die auch von Endverbrauchern genutzt werden. Dies dient aber nur der Endkontrolle, ob und wie das Signal beim TV-Zuschauer qualitativ in Bild und Ton zu sehen ist. Zu diesem Zweck steht u.a. ein PAL/D2-MAC-Empfänger von Orbisat (D2-MAC für den damaligen Empfang des Kabelkanals über Eutelsat) zur Verfügung. Für den Empfang besondere Übertragungen, zum Beispiel im C-Band mit schwacher Leistung, kann noch ein Low-Threshold-Receiver von Echostar mit einer C-Band-Mesh-Empfangsantenne eingesetzt werden.

Im Empfangszentrum werden auch einige digitalen Daten- und Newsdienste, wie zum Beispiel Reuters WSTV oder AP-TV empfangen und an die einzelnen Redaktionen weitergeleitet. Ebenso besteht die Möglichkeit über mehrere Richtfunkleitungen der deutschen Telekom Programmzulieferungen terrestrisch zu empfangen.

 

Jörn Krieger im SAM Studio

Die SZM-Studioeinrichtungen

Im Untergeschoß des SZM befinden sich unter anderem die Sende- und Aufzeichnungstudios für die eigenproduzierten Sendungen und Magazine von ProSieben, Kabel1, DSF und H.O.T.. Für die Magazine „taff“ und „SAM“ wurde ein gemeinsames Studio eingerichtet, aus denen je nach Wunsch auch live gesendet werden kann.

Der Produktionsaufwand der Kabel-1-Sendung „Hugo“, einer interaktiven Live-Spielshow aus einem virtuellen Studio, ist sehr hoch und verteilt sich auf drei verschiedene Plätze. Das eingentliche Aufnahmestudio ist ein komplett in blau gehaltener Raum ohne jegliche Dekoration. Mit Hilfe der Blue-Box-Technik blenden zwei Großcomputer den animierten Hintergrund auf alle blau erscheinenden Flächen im Bild ein. Somit steht die Moderatorin der Sendung a

llein in diesem blauen Raum, die einzige Sitzgelegenheit ist ein blauer Würfel, welcher im fertigen TV-Bild als Sofa, oder ähnliches zu sehen ist.

Interaktive Show mit HUGO

Der Star dieser Sendung ist eine kleine animierte Figur mit dem Namen „Hugo“. Die Bewegungen von Hugo werden in zwei weiteren Räumen, unabhängig vom Aufnahmestudio, produziert. An einem Computerterminal bewegt ein Techniker mit zwei selbst konstruierten „Joysticks“ die Mimik von Hugo, das heißt die Steuerung der Augen, Ohren etc. werden manuell dem Animationsrecher mitgeteilt, der diese sofort verarbeitet.

Die eigentlichen Bewegungsabläufe von Hugo im Studio werden in einem weiteren Raum mit der Hilfe eines Tänzers aufgenommen. Dabei bewegt sich der Animateur von Hugo auf einer Fläche. Alle Bewegungsdaten werden mit Körpersensoren aufgenommen und – wie auch alle anderen Daten – in Echtzeit vom Großrechner erfaßt und in Sekundenbruchteilen zum sendefertigen Bild errechnet. Die einzige Kontrolle hat der Tänzer im fertigen Sendebild, daß auf vier verschiedenen Monitoren im Tanzraum
Tanzraum zur Animation der Figur „Hugo“ in der glei

chnamigen Livesendung im Programm „Kabel 1“.  Der Star dieser Sendung ist eine kleine animierte Figur mit dem Namen „Hugo“. Die Bewegungen von Hugo werden in zwei weiteren Räumen, unabhängig vom Aufnahmestudio, produziert. An einem Computerterminal bewegt ein Techniker mit zwei selbst konstruierten „Joysticks“ die Mimik von Hugo, das heißt die Steuerung der Augen, Ohren etc. werden manuell dem Animationsrecher mitgeteilt, der diese sofort verarbeitet.

Die eigentlichen Bewegungsabläufe von Hugo im Studio werden in einem weiteren Raum mit der Hilfe eines Tänzers aufgenommen. Dabei bewegt sich der Animateur von Hugo auf einer Fläche. Alle Bewegungsdaten werden mit Körpersensoren aufgenommen und – wie auch alle anderen Daten – in Echtzeit vom Großrechner erfaßt und in Sekundenbruchteilen zum sendefertigen Bild errechnet. Die einzige Kontrolle hat der Tänzer im fertigen Sendebild, daß auf vier verschiedenen Monitoren im Tanzraum einzusehen ist.

 

Grafikproduktion

Für die Bearbeitung von Logos, Grafiken und Animationen im normalen Sendeablauf stehen im SZM verschiedene Büros mit Graphikgroßrechnern zur Verfügung, um zum Beispiel Programmhinweise oder animierte Einblendungen bearbeiten zu können. Diese können dann direkt auf analoges oder digitales Beta-Tape aufgezeichnet und somit der Sendeabwicklung als Band zugeführt werden.

Pro Sieben-Nachrichten

Jeder durfte mal Nachrichtensprecher sein

Die Nachrichtenredaktion von ProSieben im Erdgeschoß des SZM ist erstens Arbeitsraum und zweitens Hintergrundkulisse für die Pro Sieben-Hauptnachrichtensendung. Im Redaktionsraum werden die Wortbeiträge bzw. die Videoausschnitte aus SNG-Übertragungen oder weiteres Zuspielmaterial für die Sendung ausgewertet und bearbeitet. Der Nachrichtentext wird mittels einer Spiegeltechnik direkt auf einen Halbspiegel projiziert, der direkt vor der Linse der Aufnahmekamera angebracht wurde. So hat der Sprecher die Möglichkeit, den Nachrichtentext „online“ ablesen zu können, zeitgleich aber niemals dabei den direkten Blick in die Kamera zu verlieren.

Das eigentliche Aufnahmestudio der Nachrichtensendung ist vom Redaktionsraum nur duch eine großflächige Glasscheibe getrennt, so daß alle optischen Eindrücke aus der Redaktion als Kulisse mit aufgenommen werden, störende akustische Nebengeräusche dabei aber unterbleiben. Neben dem Nachrichtenpult wurde im gleichen Raum ein weiterer Aufnahmeplatz erstellt um mit anderer Dekorierung den Sport-Nachrichtenteil verlesen zu können.     jörn krieger als prosieben-nachrichtensprecher
Das Aufnahmestudio für die ProSieben-Nachrichten. Hier dufte jeder der SBC-Mitglieder einmal TV-Moderator spielen.

Nicht im SZM produziert werden die Schwesterprogramme DSF Plus und DSF Golf des Deutschen SportFernsehens, die im Rahmen des DF 1-Pakets verbreitet werden. Als Gegenleistung für diese Auslagerung werden im SZM aber die Trailer und Werbeblöcke für DF 1 produziert. Außerdem hat das SZM die Werbespot-Produktion für den Düsseldorfer Kinderkanal Nickelodeon übernommen.

Dieser Artikel wurde von SBC-Mitglied Andreas Voigt geschrieben.